Rückblick: CSD Nordhausen

12.07.2025

Wir blicken auf einen bunten und sehr gut organisierten ersten CSD in Nordhausen zurück. Ungefähr 300-350 Menschen gingen dabei auf die Straße, um Gleichberechtigung und Sichtbarkeit in einem äußerst queerfeindlichen Umfeld einzufordern.

Die Parade wurde den ganzen Tag über von Faschos begleitet und beobachtet; offenkundiges Ziel war es auch hier, ein Bedrohungsszenario aufzubauen. 

Die ca. 50 Faschos bewegten sich in mehreren Kleingruppen durch die Stadt und tauchten immer wieder in unmittelbarer Nähe des CSDs auf. Ungefähr 20 von ihnen fanden sich auf halber Strecke zwischen Start- und Zwischenkundgebung zu einem Gegenprotest zusammen, der vor allem aus Mittelfingern, einem queerfeindlichen Banner und einer Fahne der „Heimat“ (Ex-NPD) bestand. Auffällig war, dass sich viele extrem junge Personen unter ihnen befanden; die jüngsten dürften nicht älter als 13/14 Jahre gewesen sein. Sie versuchten mehrfach über die Zwischenkundgebung zu laufen, schienen aber großen Respekt vor Kameras und Regenschirmen zu haben und begleiteten den Demozug schließlich mit geringem Abstand zurück zur Schlusskundgebung am Bahnhof.

Empfangskomittee – für sie war lediglich die Auftaktkundgebung interessant genug
Spontaner „Gegenprotest“ – die Jungfaschos (ganz in schwarz, links neben dem Banner) versuchten sich mit mäßigem Erfolg zu vermummen
Hoch die Hände, Wochenende – oder so
Mensch beachte den Aufkleber – „Auch ohne Sonne braun“

Drei von ihnen versuchten im Anschluss noch, zum Straßenfest zu gelangen, wurden aber zügig aufgehalten. Sichtlich überfordert davon versuchten sie sogar, bei danebenstehenden Bullen ein Wegerecht zu erlangen, mussten dann aber mit hängenden Köpfen von dannen trotten.

Begleitschutz – den ganzen Tag über

Insgesamt wirkte das Vorgehen der Faschos recht unkoordiniert und kraftlos; es wirkte auf uns wie verschiedene, voneinander unabhängige Cliquen mit je unterschiedlichen Altersstrukturen. Gerade die Jüngeren wirkten schon bei kleinster Konfrontation sehr verunsichert, ließen sich aber dennoch nicht davon abbringen, den CSD über Stunden zu „begleiten“. Die Älteren beschränkten sich auf ihren „Gegenprotest“, beobachteten anschließend aus sicherer Entfernung eine Zeit lang die Zwischenkundgebung des CSD und verzogen sich anschließend wieder. 

Interessierter „Beobachter“
Auf der Jacke der 2. Person v.l. steht hinten „30 Jahre Kraft durch Oi!“
Und auch das darf nie fehlen…
Teile unseres „Begleitschutzes“ mit ihren offenkundigen Mentoren. Die jüngsten von ihnen waren so weit weg von der Volljährigkeit, dass wir uns dagegen entschieden haben, sie unzensiert zu veröffentlichen.

Unter was für einen politischen Druck queeres Leben in Nordthüringen geraten ist, illustrierten nicht zuletzt die antisemitischen und verschwörungsideologischen Einlassungen des AfD-Bundestagsabgeordneten Christopher Drößler zum ersten CSD in seinem Wahlkreis, der die Veranstaltung einen Tag zuvor in einem Anfall neurechten Begriffsgeklappers u.a. als „von globalistischen Kapitalkräften finanzierte Dekadenzpropaganda“ bezeichnete und den Schulterschluss zwischen Rechtsextremen im Parlament und auf der Straße damit entsprechend vollzog.

Die Teilnehmenden zeigten sich von all dem jedenfalls unbeeindruckt und ließen sich zu keinem Zeitpunkt auf die rechten Störversuche ein; der selbstorganisierte Schutz konnte mehrmals Jungfaschos daran hindern, auf die Kundgebungsflächen zu gelangen. 

Etwas befremdlich ist es allerdings manchmal zu sehen, wie die bürgerliche Gesellschaft auf offenen Hass reagiert. So wurde dazu aufgerufen, den Faschos mit ihrem Anti-CSD-Banner auf dem Rückweg von der Zwischenkundgebung etwas mehr Liebe entgegenzubringen und ihnen freundlich zuzuwinken. Solche Aufrufe wirken immer etwas schief im Angesicht der von solchen Menschen ausgehenden Bedrohung und dokumentieren ihrerseits eine gewisse Hilflosigkeit.

Auch für sich als links(radikal) verstehende Personen stellt sich aber die Frage, wie mit solchen Situationen sowohl konkret, als auch mit der sich verschärfenden Lage im Allgemeinen umzugehen ist – und auch wir als Bewegung sind bisher eine gute Antwort darauf schuldig geblieben.

Dennoch kann der 1. CSD in Nordhausen als voller Erfolg verbucht werden – wir freuen uns schon auf nächstes Jahr!

Egal, wann und wo: Holt Maja nach Hause!

Der nächste CSD findet am 19.07. in Sonneberg statt; dort ist auch eine rechte Gegendemo angemeldet. Kommt also zahlreich und haltet die Augen nach Informationen zur Anreise offen!