Rückblick: CSD Mühlhausen

am 26.07.2025

Die CSD-Saison ist in Thüringen in vollem Gange – und erfreulicherweise gibt es dieses Jahr so viele CSDs wie noch nie im „Freistaat“!

So fand Ende Juli auch der erste CSD in Mühlhausen statt. 340 Menschen füllten dabei die Straßen der Stadt mit einer sehr politischen Demonstration.

Generell ist es wunderschön zu sehen, wie viele Menschen dieses Jahr an den Thüringer CSDs teilnehmen und wie normal antifaschistische Positionen hier sind – gerade, wenn mensch in die Großstädte mit ihren durchkommerzialisierten „Prides“ schaut, die teilweise sogar versuchen, Antifa-Symbole zu verbieten.

Dies liegt zu Teilen allerdings auch an dem traurigen Umstand, dass Queersein in der „Provinz“ an sich höchst politisch und ständigen Bedrohungen ausgesetzt ist. Gerade deshalb ist es so mutig von den vielen Organisator*innen, selbst in kleinen Städten einen CSD auf die Beine zu stellen.

Denn faschistische Bedrohungen sind völlig normal geworden; auch die Demonstration in Mühlhausen bildete hier keine Ausnahme. 

Ungefähr 20 Faschos hielten sich den Tag über rund um den CSD auf. Sie versuchten beispielsweise, über die Versammlungsfläche zu laufen, die Ordner*inneneinweisung zu stören und fielen durch Pöbeleien auf.

Getragen wurden zum Beispiel Shirts mit „Division Thüringen“-Aufdruck.

„EY! NICHT FOTOGRAFIEREN!“

Circa 10-15 von ihnen liefen dem Demonstrationszug auf ganzer Länge hinterher und mussten dabei durch Ordner*innen und Bullen auf Abstand gehalten werden. 

Eine kleine Gruppe Jungfaschos überholte den CSD mehrfach, setzte sich dann in unmittelbarer Nähe auf Bänke und gaffte die Demonstrant*innen an.

Auch ein Fascho-Filmer war vor Ort, versuchte zu filmen und wurde schließlich abgeschirmt. Nach einem kurzen Kontakt mit einem der Schirme folgte theatralisches Geheule und Lamentieren über „Nazimethoden“, aber auch das Einstellen des Filmens. Eine augenscheinlich zu ihm gehörende Person machte mehrfach Fotos der Teilnehmenden, traute sich aber nicht, explizit Menschen ins Gesicht zu fotografieren. 

Hier war die Laune beim Streamer noch gut…
…das Abschirmen erzeugte jedoch lange Gesichter

Hervorgehoben werden muss tatsächlich, dass die Bullen scheinbar auch keine Lust auf die Faschos hatten. Die zwei der „Division Thüringen“-Abordnung bekamen schon kurz nach Start der Laufdemo einen Platzverweis, und auch die Jungfaschos landeten nach einem kurzen Wortgefecht auf der Abschlusskundgebung in einer Maßnahme und wurden des Platzes verwiesen.

Zu viel gepöbelt – deshalb Platzverweis

Wenn auch die Faschos etwas lost, unkoordiniert und einfach nur dumm pöbelnd daherkamen, muss ihre ständige Präsenz dennoch als Drohszenario verstanden werden. Wir müssen außerdem festhalten, dass bisher auf jedem Thüringer CSD in diesem Jahr Faschos aufgetaucht sind. Addieren wir nur die „kleinen“ CSDs Pößneck, Nordhausen, Sonneberg und Mühlhausen zusammen, kommen wir auf bisher circa 100 Störer*innen in diesem Jahr. Kein CSD kann ohne Präsenz von Faschos stattfinden; gegen die Existenz und Präsenz queerer Menschen zu sein, scheint in einigen Bereichen der Gesellschaft völlig normal. 

Genauso beunruhigend ist das Alter der Störer*innen: Auf fast allen CSDs gab es mindestens eine Gruppe minderjähriger Jungfaschos. 

Dies alles ist zudem erfolgt, obwohl bisher noch keine koordinierten, größeren Gegendemonstrationen stattgefunden haben oder auch nur eine größere rechte Mobilisierung gegen einzelne CSDs in Thüringen. Das zeigt, wie selbstbewusst Nazis mittlerweile auftreten und mit welchem Selbstverständnis sie sich queeren Veranstaltungen bis auf wenige Meter nähern. Sie suchen ganz offensichtlich nach Gelegenheiten und Momenten der Unachtsamkeit; sie wähnen sich aber auch in einer gesamtgesellschaftlichen Lage, die ihr Handeln unterstützt.

Provokationen auf Distanz

Insgesamt zeigte sich in Mühlhausen also erneut die Notwendigkeit linker Mobilisierung und -organisation gegen die (all) gegenwärtige rechtsextreme Bedrohung. CSDs, gerade die im ländlichen Raum, müssen deshalb unterstützt werden. Umso positiver ist es, dass in diesem Jahr schon jetzt über 8.000 Menschen in Thüringen auf die Straße gegangen sind, um für die Rechte queerer Menschen einzustehen.

Auch in Mühlhausen zeigten sich die Teilnehmenden völlig unbeeindruckt von den rechten Provokateur*innen. Stattdessen wurde in vielen Redebeiträgen auf die aktuelle politische Lage eingegangen und an den Ursprung der Prides erinnert: Stonewall was a riot!

Wie auch alle anderen CSDs war auch der in Mühlhausen unfassbar gut organisiert, kraftvoll und laut. Wir freuen uns schon auf nächstes Jahr mit hoffentlich noch mehr Teilnehmenden!