Rückblick: 1. CSD Suhl

am 30.08.2025

Am 30.08.2025 fand der erste CSD in Suhl statt und wir waren wieder mit dabei. 350 Menschen haben die Straßen und den Marktplatz in Suhl gefüllt. Es war wundervoll mit anzusehen, was die Orga in Suhl auf die Beine gestellt hat: Neben einem riesigen Truck gab es Trommler:innen, solidarische Redebeitrage und zahlreiche Musikacts. 

Großer organisierter rechter Gegenprotest blieb zwar aus, dennoch war der CSD dauerhaft begleitet von rechten Jugendlichen und Erwachsenen. Neben schwarzen Sonnen konnten dabei auch vermehrt Hitlergrüße, T-Shirts mit „Division Thüringen“-Aufdruck und White Power-Zeichen beobachtet werden.

Gaffen, Pöbeln, Filmen: Samstagsroutine bei Faschos.
Hier ein Exemplar der Variante: CSD über Stunden studieren. Später ließ er sich noch auf der Abschlusskundgebung blicken.

Zwischendurch gab es auch Sprechgesänge einiger Faschos mit „Antifa Hurensöhne“. Dabei sticht Suhl aus den diesjährigen CSDs dadurch heraus, dass dort die meisten unkoordinierte Faschos unterwegs waren; wir haben ca 60-70 gezählt. Zudem gab es eine dreistellige Anzahl an Zuschauer*innen / Gaffer*innen, von denen die Mehrheit ebenfalls nicht gerade Sympathien für den CSD zeigte.

Auf organisiertes Auftreten wurde vollständig verzichtet. Bekannte regionale „Größen“ der rechten Szene blieben dem CSD fern oder beließen es dabei, wie Tommy Frenck, einmal mit dem Auto und gebührendem Abstand an der Demo vorbeizufahren.

Pöbelbande. Mensch beachte die schwarze Sonne auf dem rechten Bein der Person links vom Straßenschild. Auf seinem T-Shirt stand: „Schöne GrüSSe aus dem Osten“ mit einer 88.
Die weiblich gelesene Person trägt ein Shirt von Ansgar Aryan. Die Person rechts von ihr verfolgte im Anschluss den CSD bis zur Abschlusskundgebung.

Bemerkenswert bleibt, wie auch bei allen anderen CSDs in Thüringen, wie langweilig den Faschos scheinbar sein muss, um bei bestem Wetter über Stunden hinweg queeren Menschen beim Feiern zuzuschauen. 

Eine der Jugendgruppen, die den CSD den gesamten Tag über in unterschiedlichen Konstellationen begleitete. Der Fascho mit Sonnenbrille fiel durch das Zeigen eines Hitlergrußes auf, den ein Bulle als normale Begrüßung verstanden wissen wollte.

Zu betonen ist hierbei, dass vor allem Ordner*innen und Demo-Teilnehmende dafür gesorgt haben, dass störende Faschos abgeschirmt wurden.

Dabei zeigte sich auch, wie die Polizei zu Antifaschist*innen steht: so wurde sich seitens der Cops darüber aufgeregt, dass rechte filmende und fotografierende Menschen „zu nah“ abgeschirmt wurden. 

Eine von vielen Situationen, in denen das Abschirmen notwendig war. Die Person in der Bildmitte mit Handy in der Hand hat eine schwarze Sonne auf den Arm tätowiert.
Auch zwei Bibeltreue waren da und versuchten, Teilnehmende von der Lee(h)re Christi zu überzeugen.

Erschreckend war dabei auch, wie vertraut die Bullen teils mit Faschos interagierten: In Suhl ist es anscheinend vollkommen normal, dass Polizisten mit Hitlergruß begrüßt werden und diese dann das Stellen einer Anzeige verhindern.

Man versteht sich gut: Nach einem Hitlergruß ist es auch mit einem netten Plausch getan. Wozu auch die Aufregung?

Bei diesem CSD war es auch das erste Mal, dass „CSD Verteidigen“ (CSDv) offen Präsenz in Thüringen zeigte. Diesmal verbargen sich hinter dem Banner CSDv das Rote Erfurt sowie Pride Rebellion Lübeck. Es ist zwar schön, dass so mehr Menschen zum Abschirmen von Faschos da waren. Wir müssen dennoch sagen, dass CSDv recht hektisch agierte und teils auch in Situationen abschirmte, in denen dies nicht wirklich angebracht war. Wir müssen dennoch zugeben, dass wir uns von dieser Hektik auch haben anstecken lassen.

Neben all der bereits geäußerten berechtigten Kritik an CSDv finden wir es insbesondere kritisch, dass die Kampagne nicht in Abstimmung mit den CSD-Organisator*innen handelt. In Suhl tauchten sie sogar trotz expliziter vorheriger Ausladung auf. Wie so CSDs sinnvoll „verteidigt“ werden sollen, ist und bleibt schleierhaft.

Aber zurück zum Thema: Dass in Anbetracht der rechten Raumnahme und Präsenz dieses Jahr der erste CSD in Suhl stattfinden konnte, ist umso bewundernswerter. Ein großes Dank an die CSD-Orga in Suhl für diese kraftvolle Pride! Wir freuen uns schon auf den nächsten CSD mit hoffentlich noch mehr Teilnehmenden.

Übrigens: Das AK40 in Suhl muss umziehen und freut sich über Spenden und Direktkredite! Lasst also euer Geld dort und unterstützt die wunderbaren Menschen, die in Suhl einen ganz besonderen subkulturellen Ort geschaffen haben.